Jurastudium, Studium

Ausbildungszeitschriften für JuristInnen sowie Tipps zu kostenlosen Ausgaben

Es gibt eine Vielzahl von juristischen Ausbildungszeitschriften. In diesem Beitrag möchte ich einen Überblick geben sowie Tipps teilen, wie man einige von diesen gratis testen kann.

Ausbildungszeitschriften von Repetitorien

Viele kommerzielle Repetitorien bieten KurshörerInnen und anderen Interessierten eigene Ausbildungszeitschriften an. Die bekanntesten sind dabei sicherlich die RÜ von Alpmann Schmidt, die Life&Law von Hemmer und die RA von Jura Intensiv. Aber auch lokalere Repetitorien wie die Kiss Akademie (Hamburg und Berlin) bieten eigene Ausbildungszeitschriften an.
Ein Vorteil der Ausbildungszeitschriften von Repetitorien kann sein, dass sie auf aktuelle Kursinhalte abgestimmt sind, oder Dozenten und Dozentinnen auf aktuelle Beiträge zur Vertiefung verweisen. Dies geschieht meiner Erfahrung nach jedoch selten. Fußnoten und Querverweise sind aber denkbar und können das eigene kommerzielle Repetitorium sinnvoll ergänzen.

Die RÜ von Alpmann Schmidt kostet je Printexemplar 7,50 €, die Online-Version kostet einen Euro weniger. Zudem sind Kombiangebote mit der RÜ2 (speziell für Referendare und Referendarinnen) oder vergünstigte Probeabonnements möglich.
Diese Zeitschrift bietet eine Bandbreite von Entscheidungen von unteren Gerichten bis hin zu höchstrichterlicher Rechtsprechung. Sie sind im Gutachtenstil aufbereitet und Passagen des Urteils werden zum Teil wörtlich oder gekürzt abgedruckt und durch Erläuterungen ergänzt.
Das Arbeiten mit der Zeitschrift empfand ich als sehr angenehm. Viele Urteile sind jedoch sehr speziell, weshalb die Lektüre ohne das Beherrschen der Basics nicht viel nützt. Zudem hatte ich mit Fortschreiten meiner Examensvorbereitung oft das Gefühl, dass man viele der Fälle auch mit einem guten Problembewusstsein in den Klausuren lösen könnte, ohne die Entscheidung vorher gelesen zu haben. Dagegen ist jedoch anzuführen, dass sich dieses Problembewusstsein erst mit dem Lesen vieler Einzelfälle entwickelt.
Über die Zeitschrift hinaus bietet Alpmann Schmidt Kontrollfragen zu den Fällen quartalsweise als Repeticokarteikartensätze für wenig Geld an. Auf diese habe ich aus Zeitgründen verzichtet, zudem denke ich, dass das Auswendiglernen der Einzelfälle keinen Vorteil bringt, sondern vielmehr die Schulung des Problembewusstseins im Vordergrund stehen sollte. Auf der Internetpräsens kann die gesamte Januarausgabe des Vorjahres kostenlos heruntergeladen werden, zudem kann je Monat eine Entscheidung aus dem aktuellen Heft probegelesen werden.

Die RA von Jura Intensiv ist bei Hören des Repetitoriums bereits im Preis enthalten, andernfalls kostet sie 5,50 € je Einzelausgabe im Abo. Auch eine Onlineversion (4,99 €) oder ein Kombiangebot von Print und Online-Ausgabe sind möglich. Hinzukommen das Onlinearchiv und das „Telegramm“ per E-Mail, welches weitere Urteile in kurzer Übersicht enthält. Inhaltlich ist die Zeitschrift der RÜ sehr ähnlich, nach meinem Empfinden werden jedoch weniger spezielle Fälle besprochen und auch Klassiker kommen nicht zu kurz. In einigen einsehbaren Leseproben kann man sich ein Bild von der Zeitschrift machen. Aus jedem vergangenen Exemplar ist ein Beitrag kostenlos einsehbar.

In der Zeitschrift Law&Life von Hemmer (7,50 € je Ausgabe) sind sowohl aufbereitete Urteile als auch Karrieretipps sowie weitere Inhalte enthalten. Was mich als Leserin, die nicht das Hemmer-Repetitorium besucht, oft gestört hat, ist die Tatsache, dass Fußnoten ausschließlich auf eigene Ausbildungsliteratur verweisen und manche weitergehenden Übersichten oder Querverweise ohne die Skripte nicht nachzuvollziehen waren. Auf der Website besteht die Möglichkeit eine ältere Ausgabe gratis herunterzuladen. Aus jedem vergangenen Einzelheft kann zudem eine Leseprobe eingesehen werden.

Alle drei Zeitschriften haben aus meiner Sicht den Vorteil, dass viele auf das 1. Examen zugeschnittene Inhalte präsentiert werden. Die Darstellung im Gutachtenstil steht im Vordergrund und ergänzende Hinweise oder Übersichten runden die Ausgaben ab.

Zeitschriften von Verlagen

Im Gegensatz dazu bieten Ausbildungszeitschriften von Verlagen nicht nur gutachterliche Fälle, sondern oft auch Themenbeiträge und Zusammenfassungen. Zudem bieten sie teilweise Zugang zu Beiträgen in Beck-Online.
Die JA habe ich als sehr ausbildungsorientiert und mit verschiedenen Formaten sehr abwechslungsreich wahrgenommen. Jedoch ist weder auf Titel noch im Inhaltsverzeichnis ersichtlich, um welche Themen sich die enthaltenen Beispielklausuren für Examen oder große Scheine drehen. Dies erschwert die Suche nach geeigneten Klausuren für die Lerngruppe meiner Ansicht nach erheblich und könnte noch verbessert werden. Das Abo kostet Studierende 51 € für sechs Monate.

Die JuS ist der JA sehr ähnlich, Beiträge stammen jedoch fast ausschließlich von Professoren und Professorinnen, weshalb die Beiträge sehr ausbildungsnah sind. Besonders hilfreich fand ich während meiner Examensvorbereitung die umfassenden Beiträge über ZPO oder StPO Zusatzfragen. Enthaltene Urteile sind anders als in den Ausbildungszeitschriften von Repetitorien nicht im Gutachtenstil aufbereitet, sondern kommen als abstrakte Lösung daher. Dies kann jedoch auch ein Vorteil sein, da sich die wesentlichen Punkte so schneller zusammenfassen lassen. Oft enthält die Zeitschrift auch Beilagen, wie zum Beispiel Probeexamen inklusive Bewertungsbögen. Die Kosten belaufen sich auf 59 € für ein sechsmonatiges Abonnement.

Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Zeitschriften von Verlagen. Oft wird auch die NJW als Ausbildungszeitschrift genannt. Deren Beiträge sind sehr praxisnah und eher für Referendare und Referendarinnen geeignet. Beilagen beleuchten zum Beispiel „Corona in der Rechtspraxis“.

Alle drei genannten Zeitschriften kann man jährlich drei Monate gratis testen. Probeabo Jus Probeabo JA Probeabo NJW

Fazit

Während meines Studiums und insbesondere in der Examensvorbereitung haben sich bei mir einige Zeitschriften angesammelt. JuS und JA hatte ich mehrmals abonniert, von der RÜ habe ich zwei ältere Jahrgänge auf ebay Kleinanzeigen gekauft und die RA habe ich über mein Repetitorium erhalten. Sporadisch habe ich die Life&Law in der Bibliothek ausgeliehen. Gerade in den letzten drei Monaten der Examensvorbereitung habe ich diese systematisch durchgearbeitet und gegebenenfalls eine Repeticokarteikarte erstellt oder vorhandene Übersichten durch einen Hinweis ergänzt. Am liebsten habe ich dabei mit der JA und der JuS gearbeitet. Praktisch war bei diesen auch das Onlineangebot von Beck-Online.

Bei Besuch eines kommerziellen Repetitoriums würde ich empfehlen, die enthaltene oder hinzubuchbare Zeitschrift durchzuarbeiten. Dies hat den Vorteil, dass man sich unmittelbar mit Mitlernenden oder der Lerngruppe darüber austauschen kann. Zudem sollte die Vorbereitung durch weitere Zeitschriften oder Artikel ergänzt werden. Dies kann auch im Rahmen einer Lerngruppe aufgeteilt werden, jede und jeder abonniert eine andere Zeitschrift und stellt wöchentlich ein interessantes Urteil vor. Diese Diversifizierung der Informationsquellen wird im Hinblick auf die Mündliche Prüfung sicher noch wichtiger sein.

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